Neonazikonzert in Themar mit 6.000 Teilnehmenden – kaum Gegenproteste

Was war los in Südthüringen / Themar?

Ein Riesen -Erfolg für die Naziszene und den Oberpfälzer Mitorganisator Patrick Schröder (Radio FSN.TV) . Mehr Neonazis als je zuvor pilgerten  am gestrigen 15.07.2017 nach Themar: Alleine schon beim Betrachten der Bilder von Endstation Rechts kann es einem Angst und Bang werden:Themar Rechtsrockkonzert

  • 6000 Typen mit teilweise offen zur Schau getragener Verherrlichung des Nationalsozialismus.
  • Die 1.000 ebenfalls angereisten Polizisten ziehen dagegen eine eher magere Bilanz: 43 Strafanzeigen sind denkbar wenig. Beispiele:
    • Wer uniformiert als „Arische Bruderschaft“ auftritt, dürfte offen den Nationalsozialismus verharmlosen wollen
    • Wer „I love HTLR“ zur Schau trägt, meint damit bestimmt nicht „Heimat, Treue, Loyalität, Respekt“
  • Warum wurden überdies durch die Behörden nicht wenigstens die üblichen Neonazi-Bekenner-Schriftzüge per Auflage unterbunden? „HKNKRZ“, „88“,  die Grüne Uniform des III. Weg,  die „Schwarze Sonne“,  der Reichsadler, Rudolf-Hess-Schriftzüge, „Freiheit für Wolle“ u.v.a.m. waren vielfach zu sehen…

Was ist mit den Gegenprotesten los?

Mindestens ebenso wichtig bleibt die Frage, warum die Gegenproteste so deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben waren: 2.000 Menschen waren erwartet worden (ohnedies schon weniger als die Nazis) und es kamen nach Polizeiangaben nur „einige Hundert „. Aufgerufen hatten nach unseren Informationen Stadt und Landkreis, Kirchen und  Parteien, jedoch keine Gruppen aus der Zivilgesellschaft. Insbesondere die Antifa war für Landrat Thomas Müller ausdrücklich unerwünscht (http://www.taz.de/!5420506/)

  • Ist Ostdeutschland inzwischen etwa verlorenes Gebiet für Antifaschisten? Warum gelang keine spektrenübergreifende Mobilisierung
  • Trauen sich die Bürger*innen in Thüringen nicht mehr auf die Straße wenn Nazis auftauchen?
  • Oder ist es jenen schlicht egal, da sie glauben dass der  Spuk schon von alleine vergehen werde?

Alles in allem sicher ein Einladung an die Nazis wieder zu kommen. Laut Bundesinnenministerium  hatte bereits 2016 rund ein Fünftel der bundesweit 68 rechtsextremistischen Konzerte in Thüringen  stattgefunden (Quelle: http://www.mz-web.de/27961222 ). Anscheinend fühlten und fühlen sich Nazis dort besonders wohl. Dass dies mit der Genehmigungspraxis der Behörden  und dem nur halbherzigen Willen zur Zusammenarbeit  gegen Nazis  zusammenhängen könnte, liegt auf der Hand.

Eine Antwort auf „Neonazikonzert in Themar mit 6.000 Teilnehmenden – kaum Gegenproteste“

  1. Zu den Gegenveranstaltungen am 15. Juli gab es 9 Anmeldungen von Versammlungen an den Zufahrtstraßen zur Stadt mit dem Ziel, den Zugang für die Nazis zu unterbinden. Dieses Konzept wurde von der Polizei aufgenommen, so dass außer ein paar kleineren Gruppen, ein Marktfest ungestört und friedlich stattfinden konnte. Die Erwartung von 2000 Gegendemonstranten hat es von unserer Seite nie gegeben. Das bürgerliche Engagement im ländlichen Raum war auf jeden Fall beeindruckend und wurde auch entsprechend gewürdigt. Kirche und der Bürgermeister des Ortes haben sich den Protesten angeschlossen und eigene Beiträge geleistet und z. T. auch an die Spitze gestellt. Leider lässt uns das Landratsamt im Stich, so nun auch bei dem nächsten Nazikonzert am 29. Juli, angemeldet von Patrick Schröter. Das heutige Kooperationsgespräch verlief so, dass der Eindruck entstand, die angemeldete Gegendemonstration ist das Objekt der Beobachtung und ein Versuch, die Naziveranstaltung zu untersagen wird gar nicht erst erwogen.
    Wir brauchen Unterstützung und wären froh, wenn diesmal viele unsere Aktionen mit unterstützen und / oder eigene friedliche Beiträge dazu leisten

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