Mutmaßlicher „Migrantenschreck“-Drahtzieher Mario Rönsch gefasst

Die Ungarische Antiterroreinheit TÉK und Deutsche Ermittler des LKA haben den untergetauchten rechtsextremen mutmaßlichen Hetzseitenbetreiber und Waffendealer Mario Rönsch in Budapest laut SZ-Magazin festgenommen.

Dieser soll die Hetzseiten „Anonymous.Kollektiv“ und „Anonymousnews.ru“ betrieben haben. Sie verbreiteten rechte Propaganda, die Millionen Menschen erreichte.  Rönsch steckt mutmaßlich hinter dem Online-Shop „Migrantenschreck“, der Hunderten Deutschen illegale Schusswaffen im Wert von über 100.000 € verkaufte.

Dieser lieferte auch nach Nordbayern Waffen. Konkret gab es folgende Bestellungen:

Screenshot zeit.de
  • Dürrwangen – 1.141  €
  • Randersacker – 399 €
  • Kulmbach – 499 €
  • Tirschenreuth – 438 €
  • Weiden – 476 €
  • Fürth – 426 €
  • Altdorf b. Nbg – 1013 €
  • Regensburg – 488 €

Zu den wichtigsten Fragen gehört jetzt, ob Rönsch bei all dem allein gehandelt hat – oder ob hinter Rönsch ein Netzwerk steckt.

Rönsch war 2014 bei „Montagsmahnwachen“  erstmals in Erscheinung getreten, zu diesem Zeitpunkt entstand auch die Seite „Anonymous.Kollektiv“, welche sich Namen und Symbolik der Hackergruppe Anonymus bediente. Die Systemkritik von rechts schlug schnell in Stimmungsmache gegen alles um, was etabliert schien: das „Merkel-Regime“, die „Systempresse“, mit der Zunahme der Flüchtlingsströme auch immer öfter gegen Migranten.

Rönsch hielt sich im Hintergrund, als Medien über seine mutmaßliche Rolle berichteten, bestritt er dies und erwirkte Unterlassungserklärungen. Der Grünen-Politiker Volker Beck und andere stellten Strafanzeige wegen Volksverhetzung, die Staatsanwaltschaft Erfurt ermittelte, Rönsch türmte nach Ungarn.

Seit 2015 hatte Rönsch eine weitere Tätigkeit: Er hatte beim rechten Verschwörungsmagazin „Compact“ angeheuert, das von dem ehemals Linken und heute rechtsextremen Jürgen Elsässer  sowie weiteren Geschäftspartnern betrieben wird. Öffentlich wurde diese Verbindung auch durch einen Streit, E-Mail-Kommunikation wurde in diesem Zuge ins Internet gestellt.

Rönsch, der sich selbst als IT-Experten bezeichnet , begeht schwere Fehler.

Eine gravierende Schwachstelle gibt Dritten Zugriff auf die Datenbank der Bestellungen und Käufer. Die Kundendaten gelangen in die Hände mehrerer Staatsanwaltschaften und Verfassungsschutzämter.

Sie werden auch Medien zugespielt  und Journalisten von SZ und Motherboard besuchen ein Dutzend Migrantenschreck-Kunden in ganz Deutschland

Männer und Frauen, Junge und Alte, Arbeiter und Akademiker, ein FDP-Wähler sowie AfD-Mitglieder. Ein Ex-Polizist besorgt sich einen Ersatz für seine Dienstwaffe, eine alleinerziehende Mutter will ihr kleines Kind vor Flüchtlingen schützen, obwohl sie noch nie schlechte Erfahrungen gemacht hat. Einige sind wütend, andere haben einfach nur Angst.

Ein Kfz-Mechaniker aus dem Berliner Umland sagt: „Ich will ja keine Flüchtlinge töten. Es geht um einen Denkzettel.“

„Denkzettel“ wird zur Retourkutsche

Die Sache mit dem Denkzettel funktionierte – nur andersrum:

Anfang 2017 klingeln nicht nur Journalisten bei den Bestellern, sondern auch Polizisten. Mehrere Razzien folgen, die Gerichtsverfahren dauern noch an. Bis heute werden immer wieder Waffenkäufer verurteilt.

Im Juli 2017 taucht ein neuer Waffenshop auf, der „Migrantenschreck“ optisch ähnelt und die gleichen Waffen im Sortiment hat. Der „Patriotenshop“ verspricht, Waffen „ohne bürokratische Hürden“ unter anderem nach Deutschland verschicken zu können.

 

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