Europawahl – ein Ausflug in die Geschichte

Warum sollten nationalistische und rassistische Parteien international zusammenarbeiten? Ihr Kern ist ja gerade eben nicht Zusammenarbeit, sondern Konkurrenz der Nationen? (Teil 1)
Ein Ausflug in die Geschichte

Bereits das Verhältnis von Hitler und Mussolini liefert hierauf einige Antworten, wie eine Zusammenarbeit ultranationaler Parteien möglich ist:

Die Basis

Beste Freunde? Hitler und Mussolini 1937 in Berlin

190303_WELT_Rechtspopulismus_ Wie die Nationalisten Europa zerschlagen wollen – WELT

  • Aufbauen konnten beide auf das Verlangen rechtsnational-faschistischer Kreise in beiden Nationen nach höherer Autonomie. Von deutscher Seite nur zwei Belege: “ Italia docet!“ lautete die Parole der deutschen Jungkonservativen nach dem Mussolini-Putsch 1922: „Italien lehrt!“. Wobei diese Lehre darin bestehen sollte, dem Preußentum als Pendant zum „Fascismus“ wieder Leben einzuhauchen.  Der rechtskatholische Staatsrechtler  Carl Schmitt aus dem Umfeld von Franz von Papen zeigte sich als uneingeschränkter Bewunderer Mussolinis, da „ der Faschismus auf Wahlen verzichtet und den ganzen ‚elezionismo‘ haßt und verachtet, [da] die heutigen Methoden geheimer Einzelwahl alles Staatliche und Politische durch eine völlige Privatisierung gefährden, das Volk als Einheit ganz aus der Öffentlichkeit verdrängen (der Souverän verschwindet in der Wahlzelle) (…)“

Hegemonie

Kernpunkt beider Diktatoren war immer und blieb die Hegemonie der  eigenen Nation. Der Streit zwischen beiden um Südtirol konnte nur mit Mühe entschärft werden. Und auch zur Unterstützung des für ihn uninteressanten Polenfeldzuges der  Deutschen sah sich Mussolini  kurzfristig nicht in der Lage. Die Beteiligung am Russlandfeldzug durch Italien ab 1941 hingegen war in erster Linien vom Interesse an einer italienischen Beteiligung bei der Neuordnung des Kontinents geprägt.

Feindbilder

Es gab einen klaren gemeinsamen Feind: Marxismus und Liberalismus. Den Ausgang des ersten Weltkriegs  betrachteten beide als Ungerechtigkeit. In Italien sprach man von der „vittoria mutilata“, dem „beschädigten Sieg“ und in Deutschland vom „Schandvertrag von Versailles“

Persönliche Wertschätzung

Hitler und Mussolini  bewunderten sich gegenseitig persönlich  wegen des Erfolgs ihrer chauvinistischen Politik.   Bis Ende der 1930er Jahre ging diese Bewunderung schwerpunktmäßig von Hitler aus, danach vom Mussolini

Kompatible Strategien

Lange Zeit waren die geostrategischen Vorstellungen von Hitler und Mussolini kompatibel. Mussolini hatte zunächst schwerpunktmäßig  das  Mittelmeer im Visier, Hitler  den Osten. Dies ermöglichte erst die „Achse Berlin – Rom“ und wechselseitige Zusammenarbeit. Diese konnte deshalb auch so weit gehen, dass sich Italien am deutschen Russlandfeldzug beteiligte und Deutschland massiv gegen italienische Partisanen vorging.

Unter den genannten Voraussetzungen ist demnach bereist damals eine Zusammenarbeit  möglich gewesen. Inwieweit diese auf die heutige Situation rechtspopulistischer Parteien übertragbar ist untersuchen wir in den nächsten Wochen.

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